Archiv für August 2008

elend

August 6, 2008

und wenn wir die wenigen reste an hellsichtigkeit, die uns in all dem irrsinn und überdruß und der lähmung und erstarrung geblieben sind, hernehmen und uns mit anderen vergleichen, die im irrsinn schon gänzlich untergegangen und umnachtet sind, so müssen wir uns glücklich und dankbar schätzen, unseren eigenen irrsinn, wenn schon nicht durchschauen oder begreifen, so doch wahrnehmen und benennen zu können. aber diese dankbarkeit oder die verpflichtung zur dankbarkeit bleibt eine scheinbare und ihre segnungen genauso zweifelhaft wie unsere vorstellung von dem wahn, welcher uns gefangenhält und nach seinem gutdünken manipuliert, vielleicht sogar bis dahin, dass wir dies mit eben der scheinbar willig empfundenen dankbarkeit begrüßen und uns selbst noch dazu beglückwünschen, auf solche ebenen der entäußerung herniederzusinken.
aber der wahn und die hellsichtigkeit und die dankbarkeit sind nur scheinbar das, als was sie uns in unserer umnachtung heimsuchen, um in einer nichtigkeit unser kaum mehr empfundenes elend festzuhalten und solcherart die banalität unseres stumpfsinns festzuschreiben und im fluß der lähmenden erschöpfung vielleicht ein leichtes kräuseln des wassers zu erzeugen. und selbst wenn dies trotz vollkommener aussichtslosigkeit gelänge, so dränge doch nichts davon auf den grund unserer erschöpfung und rührte an unser elend, das wir so regungslos hinnehmen, dass wir uns schon längst nicht mehr bemühen, ihm beschönigende namen umzuhängen oder es mit sonstigen ausflüchten oder halbwahrheiten zu dekorieren und ihm solcherart eine gewisse besonderheit und einzigartigkeit zu verleihen, um seine alles verschlingende banalität besser zu verbergen.